War Graffiti

Mittlerweile kann ich nicht mehr einfach so durch die Stadt spazieren. Mein Blick streift über die Häuserfassaden, ob ich noch irgendwelche interessanten Spuren aus der Vergangenheit finden kann. Seien es Konskriptionstafeln aus dem 19. Jahrhundert, alte Straßenschilder, Mannesmann Luftschutzdeckel oder eben War Graffiti.
War Graffiti, was ist das? Das haben mich Freunde auch immer wieder gefragt. Als „War Graffiti“ bezeichne ich Markierungen, die noch aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stammen oder aus der Besatzungszeit danach. Das kann der Pfeil mit der Markierung LSK (Luftschutzkeller), LR oder LSR (Luftschutzraum), MD (Mauerdurchbruch), ZIVIL (Kennzeichnung, die von Hausbewohnern angebracht wurde um zu zeigen, dass in diesem Haus kein Militär ist) oder NA (Notausgang) sein. In direktem Zusammenhang mit diesen Luftschutzmarkierungen stehen die Orientierungspfeile mit Ortsangaben, die man nur noch relativ selten findet. In den Bildbeispielen unten finden Sie solche Pfeile, die zum Ring oder zum Gürtel weisen.

Die russische Markierung, die man manchmal findet, lautet „квартал проверен/Kvartal Proveren“ (Häuserblock geprüft). Manchmal werden diese Markierungen als Zeitdokument konserviert, wie zum Beispiel an der Westfassade des Stephansdoms, der Laudongasse 1 oder dem Palais Pallavicini. Eine weitere russische Hinterlassenschaft an einer Hauswand findet sich in Floridsdorf, wo “за Родину/za rodinu” (Für die Heimat) zu lesen ist.
Einmal ist es uns sogar gelungen, Propagandaparolen, die vermutlich aus den letzten Kriegsmonaten stammen, an einer alten Wand zu finden – und das mehr als sechzig Jahre nach Kriegsende. Die Schrift wurde, um sie erkennbar zu machen, teilweise am Computer nachbearbeitet, da sie schon stark verwittert bzw. verblasst war.
Haben Sie auch schon War Graffiti entdeckt? Dann kontaktieren Sie uns!

Text: Christopher Timmermann / Thomas Keplinger

Fotos: Christopher Timmermann / Thomas Keplinger