Stollen in Simmering

In Simmering gibt es einen Stollen in Privatbesitz, der in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs in den Hang getrieben wurde. Unseren Informationen zufolge hätte der Stollen viel länger sein müssen als er zur Zeit ist, weshalb wir vermuteten, dass es hinter den Schlusswänden noch weiter geht. Schließlich kam es ja öfter vor, dass ein Stollen nach dem Krieg abgemauert wurde, weil man den dahinter liegenden Teil nicht mehr benötigte, weil er einsturzgefährdet war, noch nicht ausgebaut wurde oder man zum Beispiel an der Grundstücksgrenze angekommen ist.

Wahrscheinlich diente der Stollen dem Luftschutz, möglich ist aber auch, dass er ein Fluchtstollen aus einem Gebäude in der Nähe war. Die derzeitige Länge beträgt ca. 70 Meter. Es gibt einen Eingang und einen Notausstieg, der verfüllt wurde. Interessant sind auch die Graffiti an den Bausteinen, die, wie so oft, auf Zwangsarbeiter aus der Ukraine, genauer der Krim und Wolhynien, hinweisen. Mit Hilfe elektronischer Bearbeitungsmöglichkeiten konnten wir die Buchstaben der Graffiti besser sichtbar machen und in Vergleich zu den Originalen stellen (siehe Bilder).

Mit der freundlichen Erlaubnis des Besitzers durften wir uns vor kurzem daran machen, unseren Verdacht zu überprüfen, dass der Stollen hinter der Schlussmauer noch weiter führt. Um möglichst wenig zu verändern, bohrten wir, bevor wir den Meißel verwendeten, mit unserem Akkubohrer vor. Leider kam der Meißel nach drei Bohrungen an verschiedenen Stellen nicht mehr zum Einsatz, denn nachdem wir die Löcher so weit aufgebohrt hatten, dass wir mit einer Taschenlampe durchblicken konnten, war klar erkennbar, dass dahinter nur Kies und erdiges Material war. Es gibt also keine Verlängerung des Stollens nach der Schlussmauer.

Text und Bilder: Thomas Keplinger